Tag 7 und die 4 Serpentinen des Todes

Es geht weiter in die südlichen Westfjorde, 131 km ist die Strecke lang von Bilduladur nach Brianslaekur. Dort wird uns morgen die Fähre von den Westfjorden nach Stykkisholmur auf der Halbinsel Snaefellsnes bringen. Aber wie wir jetzt wissen, können Kilometer unterschiedlich lang sein. Und unterschiedlich gefährlich. Und überhaupt 😎

Erstmal alles easy. Bilderbuchwetter, mindestens 8 Grad! Und Kaffee und lokalkoloritische Deko.

Guesthouse Solgardur. Bisschen exotisch, aber schön.

Dann Dorfbesichtigung, die Kirche war natürlich zu. Aber die schwarzen gefallen uns eh besser. Das Seemonstermuseum war hingegen offen. Isländische Museen sind anders. Man macht auch privat gern eins auf, da stehen dann einfach mal 100 Nähmaschinen rum. Dieses hier war cool, hatte eine gewisse atmosphärische Dichte. Ich glaube ja eh an Seemonster. Und die Isländer ganz offensichtlich auch.

In diesem Teil der Welt gibt es besonders viele. Dann überwanden wir die erste hohe, überraschenderweise geteerte Heidi nach Talknafjördur. Und fanden einen wundervollen Fischautomaten, quasi das Pendant zum Schwarzhuber-Eierautomaten, nur dass sich jeder rausnimmt, was er möchte und die Kreditkarte dranhält. Bargeld habe ich in Island eh noch keins gesehen, ist wohl abgeschafft. Besser so.

Das vorne ist mein Raucherlachs, den gab es heute zum Frühstück. Ich muss da wieder hin. Einfach unfassbar gut! Nach der nächsten hohen, aber geteerten Heidi ging es oba nach Patreksfjördur. Das spacige Gerät vor dem Hafen ist die Scenic Eclipse, die gerade tenderten. Auf den Scenic-Schiffen sind nur wenige Passagiere, die in der Regel einigermaßen Asche haben und dafür schwarze Expeditionsjacken bekommen. Was grundprinzipiell eher unpraktisch ist, wenn einer im Lavafeld verloren geht, aber schick aussieht. Das Schiffsdesign hat schon auch was.

Die Westfjorde sind seit langer Zeit inaktiv, aber letztlich wie ganz Island vulkanischen Ursprungs, sieht man hier ganz gut.

Das Schiff, die Gardar, rostet am Strand quasi als maritimer Lost place vor sich hin.

Nach Patreksfjördur wollten wir eigentlich an dem Tag gemütlich weiter nach Süden und keinen Sightsseeing-Stress. Dann hat mich aber mal wieder die Abenteuerlust gepackt und Lola und ich steuerten die Straße 614 an. Ziel war der rote Punkt, Rauðisandur Beach, was roter Strand heißt.

„The drive is pretty hairy in places too with steep drops and not much in the way of barriers. You will be driving up on the mountain on a very bumpy gravel road. Once you reach the end of the mountain it is time to go down to the beach. The road that leads down is considered to be one of the hardest roads to drive on in Iceland. The steep hills and the bad gravel road makes this an thrilling experience.“ Quelle: icelandtravelguide.is

Blöderweise habe ich das erst hinterher gelesen 😎 Wenn man in Island nicht um einen Fjord herum fahren kann, geht es über eine Heidi. Meist auf Schotterpisten, mit starkem Gefälle, und Schwindelfreiheit schadet auch nichts. Aber das hier war dann doch eine ganz andere Nummer. Thrilling halt 😁

Von ca. 600 m Höhe geht es am Fels entlang extrem steil zum Meer hinunter. Man sieht hier 2 der 4 Serpentinen des Todes. Was man nicht sieht, ist das Gefälle und die Tatsache, dass es am Straßenrand SEHR tief in den Abgrund geht.

Irgendwann waren wir unten. Lola hat scheints gute Bremsen. Blöd war nur, dass wir auch wieder raufmussten

Die Kirche steht zum Beten vor der Rückfahrt da. Und um die Runtergefallenen zu beerdigen.

Aber schön ist es da schon. Der Isländer kennt nur schwarzen Sand, logisch, wegen Vulkane. Da in der Richtung aber hier eben ewig nichts geboten war, hellt normaler Sand und Muschelkalk den Strand auf. Das finden sie ganz toll.

Ich fand erstmal gar nichts toll, bis wir es wieder auf den Berg geschafft hatten. Rauf war es tatsächlich nicht so schlimm, weil man nicht die ganze nach unten und dem Sensenmann ins Auge schaut. Wir machten dann extra einen 26-km-Umweg nach Patreksfjördur. War nötig. Für Überlebende ist der Kaffee umsonst 😎

Nochmal die Eclipse.

Die nächste Heidi an die Südküste der Westfjorde war tatsächlich auch unsere letzte 😥 Ordnungsgemäß ungeteert, völlig menschenleer und in ca. 30 Sekunden auf 500 Höhenmeter (und genauso schnell wieder unten), aber mit 4-Wheel-Lola kein Problem. Sie darf schließlich auch durch Flüsse fahren!

In Krosslaug hüpften wir in den Hot Pot, der direkt an der Straße liegt, und das noch etwas heißere Schwimmbecken daneben. Mit coolem Blick.

Das hier ist der Snaefellsjökull gegenüber auf der Snaefellsnes-Halbinsel, ausnahmsweise nicht in Wolken. Magic. Jules Verne fand das auch.

Die Südküste der Westfjorde ist genauso leer wie der Rest, weist aber eine sehr hohe Schafsdichte auf.

Unser heutiges Tagesziel, Haus Gamli Baerinn, was immer das auch heißen mag (ich tippe auf alter Bär) in Brjanslekur. Liebevoll eingerichtet, und mit Exklusivblick auf Kirchlein und Grabkreuze. Toll!

Die Besitzer haben 700 Schafe und die ganze Familie strickt ununterbrochen.

Unten am Anleger fahren wir morgen Mittag auf die Fähre nach Stykkisholmur und schauen uns noch die Snaefellsnes-Halbinsel an. Heute war unser letzter Tag in den Westfjorden. Es war von Anfang bis Ende phantastisch!

Shot of the day konnte ich mich nicht entscheiden, fällt aus.

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