6 Seetage – von Teneriffa in die Karibik

Da die viel weiter sĂŒdlich liegenden Kapverdischen Inseln auf Grund der Ausschiffung in Teneriffa weggefallen waren, lag jetzt die AtlantikĂŒberquerung mit 6 statt der vorgesehenen 5 Seetage vor uns. Um uns rum nur Meer. Aber auf so einem Schiff gibt es ja viel zu tun. Und deshalb heute viel zu lesen

Man kann z. b. am TV verfolgen, wo man gerade ist, wie weit es bis zum Meeresboden ist, falls das Schiff sinkt, wieviele Knoten man fĂ€hrt und wie feucht und warm es draußen ist. Manchmal befindet man sich allerdings in Indien oder sonstwo auf der Welt. Angeblich kommt das von den Störsendern der Amis, die in der Karibikregion gerade Krieg ĂŒben, aber nix Genaues weiß man nicht. Jedenfalls wird es von Tag zu Tag wĂ€rmer, das merkt man auch ohne TV. Und falls nicht The day after tomorrow eintritt, bleibt das bis MĂ€rz auch so đŸ€©

Man kann die Bettdecken- und Handtuchkunstwerke der Cabin Stewards bewundern. Wenn man welche bekommt – die genauen Kriterien dafĂŒr liegen im Dunkeln.

Man kann die VortrĂ€ge der launigen Lektoren besuchen, die unermĂŒdlich und tatsĂ€chlich ziemlich unterhaltsam ĂŒber LĂ€nder, Leute und auch Nautisches informieren. Derzeit haben wir einen bissigen und der katholischen Kirche als WassertrĂ€gerin des Kolonialismus nicht eben nahestehenden ArchĂ€ologen, dessen Haltung durchaus nachvollziehbar ist, wenn man sich nĂ€her mit der Geschichte der karibischen Regionen beschĂ€ftigt. Randolph, unser KĂ€ptn a. D., ist leider schon von Bord, hat uns aber vorher noch ausfĂŒhrlich mit allen Aspekten der christlichen Seefahrt vertraut gemacht – s. unten.

Die VortrĂ€ge sind sehr gut besucht, und wenn man nicht 20 Minuten vorher da ist, muss man stehen. Wenn man noch kann. Gelegentlich fĂŒhle ich mich wieder wie ein pflinkes Pfohlen, auch mal nett.

Man kann auch den nicht ganz so unterhaltsamen Infos von Reiseleiterin Maike und KollegInnen lauschen, die die nicko-AusflĂŒge an den kommenden HĂ€fen vorstellen. Muss man aber nicht.

Oder man schaut einfach, ob man einen Fisch sieht.

Schön ist es auch in den Pool-KĂ€figen. Es gibt 2 Pools und 2 Whirlpools, die nicht whirlen, aber sehr warm sind, was in den inzwischen heißen Außengefilden wenig Sinn macht, wenn man nicht gekocht werden will.

Bisweilen gibt es Barbecues und Event-GetrĂ€nke auf Deck 11. Am Tag vorher hatten wir uns schon gewundert, dass ĂŒberall Ananasse herumstanden, vielleicht mussten sie weg. Irgendwas muss immer weg und taucht dann in allen möglichen und unmöglichen Gerichten auf, derzeit sind es Karotten. Urks. Es gibt 3 Bedienrestaurants und ein Bistro in Buffetform. Man muss sich das Essen aber auf den Teller geben lassen, was Sinn macht, weil hygienischer und es bleibt nicht so viel auf den Tellern liegen, weil der Kreuzfahrtgast sich zuviel draufgeschaufelt hat. Ist ja alles bezahlt!

Das Gesangsbuch liegt da, weil ich im GĂ€stechor singe. Das ist eine sehr ernste Angelegenheit. Jedenfalls fĂŒr die andern. Wir singen aber auch sehr schön und beglĂŒcken die anderen GĂ€ste mit weihnachtlichen Weisen und Seemannsliedern, die von Rum und so handeln.

So ein Schiff ist ja quasi ein Dorf. In unserem Fall ein ĂŒberschaubares, da nur ungefĂ€hr 900 Leute an Bord sind. Fast die HĂ€lfte sind WeltreisegĂ€ste, die anderen haben nur Teile davon als „normale“ Kreuzfahrten gebucht, die in der Regel 2 bis 3 Wochen dauern, die gĂŒlden allerdings nicht so ganz. Unser Dorf ist natĂŒrlich ein Quell der Freude fĂŒr leidenschaftliche Beobachter der gelegentlichen Sonderbarkeiten menschlichen Verhaltens. Ich hab den Text noch nicht! (man glaubt nicht, wie schwierig es ist, ein paar BlĂ€tter unter 20 Leuten zu verteilen) / Das muss man aber anders singen (vermutlich ehemalige Musiklehrerin) / Ich hab noch kein Bingoblatt! (Bingo ist etwas SEHR Ernstes) / So kann ich ja nicht gewinnen! (unsere Julia beim Bingo) / Meine Kabine ist wahlweise zu laut (unsere Julia nach jedem Kabinenwechsel) / zu heiß / zu kalt / zu nass (stimmt leider alles manchmal). SĂ€tze fĂŒr die Ewigkeit. Ich bin bis jetzt im Allgemeinen friedlich und sehr glĂŒcklich hier. Das wird sich zumindest punktuell noch Ă€ndern, wenn es ums Schnorcheln geht, aber dazu kommen wir spĂ€ter.

Landschaftlich hat so eine AtlantikĂŒberquerung durchaus etwas zu bieten. Phantastische Wolken, ab und an einen fliegenden Fisch und erstmal keinen Sturm. Davon hatten wir auch genug.

Die GetrĂ€nkekarte ist mehrfarbig markiert, hier die Cocktails ohne Alk. Wichtig sind blau und rot. Blau ist im Classic-GetrĂ€nkepaket enthalten, das fĂŒr WeltreisegĂ€ste sehr gĂŒnstig ist, die nur rot markierten GetrĂ€nke sind es nicht. Der/die geizige KreuzfahrerIn beschrĂ€nkt sich natĂŒrlich auf blau, was zum Erreichen des gleichnamigen Aggregatzustands völlig ausreicht.

Man wird tatsĂ€chlich umfassend gebildet. FĂŒr Bildungsferne gibt es aber noch eine ganze Reihe anderer kurzweiliger BeschĂ€ftigungen, wie z. B. Linedance. Eigentlich macht Tanzen ja Spaß, weshalb ich zuerst auch mitgemacht habe, bis mir klar wurde, dass ich nicht zu den Ă€lteren bebrillten Damen mit ohne Taille gehören möchte, die die Choreographie auch nach mehreren Stunden auf dem Parkett nicht beherrschen, sondern zu den Ă€lteren bebrillten Damen mit ohne Taille, die die Choreographie natĂŒrlich perfekt beherrschen, nur quasi inkognito. Okay, vielleicht demnĂ€chst mal wieder. Alternativ kann man Sandsackwerfen, siedeln, um Schnaps wĂŒrfeln (gewinnen wir, zahlt ihn das Schiff, gewinnt das Schiff, zahlen wir selbst, hat was), Kino und einmal auch Speeddating, was aber so chaotisch verlief, dass es nie mehr angeboten wurde. Hab ich gehört, war natĂŒrlich nicht dabei 🩆

Seit dem 1. Advent ist unser Schiff auch voller WeihnachtsbĂ€ume. Es werden jeden Tag mehr, am Ende wird es ausgehen wie bei Arachnophobia, in KĂŒrze werden sie zumindest auf dem Schiff die Weltherrschaft ĂŒbernehmen, so kommt es einem jedenfalls vor. Außerdem stehen ĂŒberall PlĂ€tzchenteller herum. Die PlĂ€tzchen sind echt gut (wenn auch nicht so gut wie Susis PlĂ€tzchen zuhause) und die Teller sind stĂ€ndig leergefressen, obwohl sie mehrmals tĂ€glich aufgefĂŒllt werden.

Interessant fĂŒr die GĂ€ste sind auch die Crew Drills. Die grĂ¶ĂŸte Gefahr an Bord ist Feuer und das Löschen eines solchen muss geĂŒbt werden. So ein Code Alpha wie auch alle anderen Drills wird natĂŒrlich vorher angekĂŒndigt, damit beim Ertönen des Seenot-Signals kein Gast seine Rettungsweste aus dem Schrank holt. Blöd geschaut haben wir bei einem echten Code Alpha, aber den haben sie wohl in den Griff bekommen. Es gibt natĂŒrlich noch weitere Codes, wie z. B. den Code Oscar, wenn ein Gast aus dem Wasser gefischt werden muss.

Bei diesem Crew Drill war der Alfresco-Grill in Gefahr. Das darf auch keinesfalls abbrennen, da gibt es phantastische Cheeseburger bis 23 Uhr.

Ein Highlight ist der Besuch auf der BrĂŒcke. Die Weltreise-GĂ€ste werden natĂŒrlich standesgemĂ€ĂŸ persönlich eingeladen.

Dank Captain Randolph A. E. Hess können wir das Schiff im Notfall jetzt selbst nach Bali steuern, vom Seitenstrahlruder bis zu den Stabilisatoren – er hat uns wirklich alles erklĂ€rt. Der aktuelle Captain hatte grad frei. Den mögen auch alle, weil er sehr zugĂ€nglich und kein eingebildeter Schnösel ist.

Ich, Captain.

War toll! đŸ›łïžđŸ˜

Das war es erstmal ĂŒber‘s Bordleben. Weiter geht’s HIER mit Barbados und der Karibik.